Hündisch für Anfänger - Züngeln

Montag, November 19, 2012

Liebe Bloggleser,

habt ihr euch auch schon oft gewünscht euer Hund könnte sprechen? Was wäre das Zusammenleben von Chiru und mir doch auf einmal einfach! Aber nun gut – das wird immer ein Traum bleiben – also warum nicht einfach „hündisch“ lernen?!

Hunde kommunizieren mit uns über ihre Körpersprache. Die sogenannten „Beschwichtigungsgesten“ im englischen auch Calming Signals genannt spielen hierbei eine große Rolle. Hunde setzen diese Signale nicht nur gegenüber Artgenossen, sondern auch uns gegenüber ein. Sie müssen diese Verhaltensweisen nicht erst erlernen, sondern sind beim Hund bereits genetisch vorhanden. Die Beschwichtigungssignale dienen nicht nur dazu Situationen zu entspannen und Aggressionen zu verhindern. Man kann an ihnen auch sehr gut die Gefühlslage des eigenen Hund erkennen.

Ein sehr häufiges, nicht nur von Chiru, angewandtes Signal ist das Schlecken der Nase, das sogenannte „Züngeln“. Auf den Foto unten ist es sehr ausgeprägt und deutlich wahrnehmbar.



Viele von euch haben den Bloggbeitrag „Ambitionierte Hobbyfotografin trifft auf lustloses Model“ gelesen. Ich wollte gerne schöne Aufnahmen von Chiru hinbekommen und wurde immer hektischer und gereizter, weil Chiru sich nicht fotografieren lassen wollte. Chiru versuchte durch das deutliche Züngeln die angespannte Situation zwischen ihm und mir zu entspannen und zeigte auch wie unbehaglich er sich momentan fühlte. Dies sieht man auch an der angespannten Körperhaltung und dem fast schon steifen Sitzen.

Ein kurzes Züngeln kann man auch oft bei Hundebegegnungen beobachten. Chiru hat die unhöfliche Eigenart entgegenkommende Hunde anzustarren. Häufig reagiert der andere Hund hierauf mit einem kurzen, kaum sichtbaren Züngeln, bei dem die Zungenspitze nur kaum sichtbar ist. Er macht Chiru damit u.a.deutlich, dass er an keinen Konflikt/Streit interessiert ist. In den meisten Fällen geht Chiru, der sonst auch mal gerne pöbelt, an den anderen Hund dann ruhig und entspannt vorbei. Für mich selber ist dieses Verhalten des fremden Hundes  häufig  eine große Hilfe, vorab bereits einschätzen zu können, wie Chiru beim Vorbeigehen reagieren wird.

Aber auch mir gegenüber setzt Chiru das kurze Züngeln häufig ein. Oft beobachte ich es bei ihm, wenn er wahnsinnig gerne beim Spaziergang eine andere Richtung als ich einschlagen möchte. Ein kurzer Blick – die Zungenspitze kurz sichtbar und dann wird zügig von ihm „seine“ Wunschrichtung eingeschlagen. In dieser Situation dient das Züngeln jedoch weniger mich zu beruhigen oder zu besänftigen, weil er seinen Willen „durchboxen“ will.  Es ist eher ein Zeichen seiner eigenen Anspannung, weil er sich sehr genau bewusst ist, das gerade von ihm gezeigte Verhalten nicht richtig ist. Calming Signals dienen dem Hund   auch häufig seinen eigenen Stress oder inneren Konflikt zu lösen. 

Häufig verbindet man das Züngeln auch mit reiner "Unterwürfigkeit". Das ist jedoch nicht richtig. Es wird zwar von unsicheren und ängstlichen Hunden oft zur Beschwichtigung des anderen Hundes eingesetzt, aber auch "Ranghohe"  Vierbeiner setzen dieses Verhalten ein, um Ruhe in ihr Rudel zu bringen.

Fängt man einmal an gezielt darauf zu achten, findet man jeden Tag zahlreiche Situationen in denen diese Form der Körpersprache vom eigenen Hund eingesetzt wird. Fast immer muss man jedoch auch auf andere „Beschwichtigungssignale“ und die Körperhaltung achten, um das „hündisch“ gesagte richtig zu übersetzen.

Mich würde interessieren, in welchen Situationen eure Hunde das „Züngeln“ einsetzen. Reagieren eure Vierbeiner bei Hundebegegnung weniger Aggressiv, wenn der andere ihn mit dem kurzen aufblitzen der Zungenspitze signalisiert, dass er keinen Stress möchte? In welchen Stresssituationen beginnen eure Hunde damit?

Liebe Grüße





- Fortsetzung folgt! -


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18 Kommentare

  1. Hallo Sali,
    Ich bin viel entspannter, wenn ein Hund schon von weiten sich die Nase schleckt und das gleiche tue ich, wenn ich drohfixiert werde. Meistens geht es gut. Auch meine Mamma schleckt sich über den Mund, wenn sie z. B. versucht, besonders fiese Knoten in meinem Fell uu lösen versucht. Sie schmatzt auch behruigend, damit es mir klar ist, dass sie mich nicht quälen will. Das entspannt mich sehr. Nicht, dass ich sonst böse mit ihr wäre, aber dadurch ist die Lage für mich durchsichtiger.
    Ich hoffe, das war interessant für Dich!
    Liebe Grüße
    Dein Arno

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    1. Natürlich war die Antwort interessant für mich und besonders den Tipp mit dem selber "Züngeln" werde ich beim nächsten Kämmen von Chiru testen.
      DANKE!
      Liebe Grüße
      Sali

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  2. Hallo Sali,
    das ist so interessant geschrieben. Danke für diesen Beitrag. Wir schlecken uns die Nase wenn wir uns nicht einig sind wer in welches Körbchen geht.
    Liebe Grüße von Emma, Lotte und Frauchen

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    1. Danke für das Kompliment - es freut mich riesig, wenn der Beitrag sich auch interessant liest :-)
      Das Beispiel mit dem Körbchen stelle ich mir süss vor - muss dein Frauchen mir unbedingt mal ein Foto von schicken!
      Liebe Grüße
      Sali

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  3. Ich schlecke mir die Nase, wenn ich geschimpft werde. Manchmal gähne ich aber auch stattdessen. Hunden gegenüber scheine ich das wohl nicht zu machen, an denen stolziere ich einfach immer hocherhobenen Hauptes vorbei ...Viele Grüße von Lucy

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    1. Ja das "Gähnen" macht Chiru auch sehr oft. Das wird Thema beim zweiten Teil - ich habe soviele GÄHN-Chiru-Fotos, dass man das toll beschreiben kann.

      Das du kein "Leinen-Pöbler" bist, macht mich ja doch "etwas" neidisch!!! Kannst du Chiru nicht mal eine Anleitung für schicken?!
      Liebe Grüße
      Sali

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  4. Huhu Sali,

    das hast du wirklich sehr schön zusammengefasst und ich achte bei Lilly auch schon von Anfang an darauf, um ihre Lage besser einschätzen zu können. Lilly macht das oft, wenn sie vor etwas Angst hat ... überwiegend bei Gegenständen, weniger bei anderen Hunden (außer diese kommen sehr plötzlich, sehr schnell auf sie zugerannt). Ansonsten macht sie es noch, wenn ich gereizt bin oder manchmal auch, wenn ich sie körperlich bedränge.

    Es ist schon echt wichtig, seinen Hund verstehen zu lernen, denn nur so kann man wirklich einwandfrei mit ihm kommunizieren und genau da wollen Lilly und ich hin ;)

    Liebste Grüße,
    das Lillyfrauchen

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    1. Danke für die vielen Beispiele! Ich finde die Körpersprache der Hunde auch wahnsinnig spannend und es hat mir schon in vielen Situation geholfen.
      Liebe Grüße
      Sali

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  5. Sehr schön geschrieben und ich wünschte, den Beitrag würden viel mehr Hundebesitzer lesen. Wie oft stehe ich in der Hundeschule und muss den Besitzern erklären, dass ihre Hunde gerade heftig versuchen, zu beschwichtigen und die Zeichen werden einfach übersehen oder falsch gedeutet.

    Mein Rüde Tyco hat eine wundervoll eindeutige Körpersprache, ich bin immer wieder begeistert, wie schön er kommuniziert.
    Meine Hündin Reina hat in Spanien scheinbar in ihrer Prägungsphase wenig Hundekontakt gehabt oder ist durch andere Gründe schlecht sozialisiert. Sie kennt zum Beispiel kaum Drohsignale und geht darum oft ohne Vorwarnung in Angriff über. Da liegt noch ein weiter Weg vor uns...

    Achja, mit dem Züngeln übertreibt Reina es ein wenig. Kaum ist ein Stück menschliche Haut auch nur in ihrer Nähe, KANN sie ihre Zunge nicht mehr im Maul behalten :D
    Ein kurzes Züngeln ist bei ihr meist mit einem Zähneklappern verbunden, damit auch jeder hört, dass die Zunge da war ;)

    LG von Linda und ihrer Hundebande

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    1. Hallo Linda, ich bin auch immer wieder erstaunt, dass gerade die Körpersprache der Hunde vielen Besitzern so unbekannt ist. SCHADE - es ist doch so eine tolle Möglichkeit den eigenen Hund besser zu verstehen. Über Reina´s Zähneklappern musste ich lachen, als ich es mir bildlich vorstellte. Meine Mutter ihr Hund heißt auch Reina und ist auch so eine ängstliche Maus- dabei heißt Reina doch auf Spanisch "Königin" oder? Hat eine Königin das nötig ;-)
      Liebe Grüße
      Sali

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    2. Ja genau, Reina heißt Königin. Was ist denn "eure" Reina für ein Hund?
      Bei meiner Reina ist der Name Programm, da kannte sie jemand ganz gut, als er ihr den Namen gegeben hat :D

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    3. Mutti´s Reina ist eine kleine Yorkie-Dame.
      lg Sabine

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  6. Bingo!
    Gerade mein aktueller Post zeigt A-Yanas Züngeln. Sie wühlte an einem Mausloch. Ich habe nichts dazu gesagt. Ich wollte eigentlich NUR ihren dreckigen Schnüffler fotografieren. Sie dachte aber, dass sie mich mit Kopfdrehen und Züngeln beschwichtigen müsste.
    Hundekörpersprache finde ich äusserst interessant und lese gerne noch mehr darüber. Leider übersehe ich öfter als mir lieb ist, was sie mir grad mitteilen wollen oder verstehe sie nicht richtig.
    Liebi Grüessli
    Trudy

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    1. allo Trudy, da werde ich mir doch gleich mal die Fotos auf deinem Blogg anschauen gehen. Im Alltag übersehe ich auch vieles bei Chiru und muss auch noch viel mehr an mir arbeiten, darauf zu achten. Gerade bei unseren Wuschels ist es ja auch oft einen Tacken schwerer.
      Liebe Grüße
      Sali

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  7. Halli, hallo,

    wollte mich nur mal kurz für euer schoenes Foto auf meiner blogpinnwand bedanken!!
    grazie mille!!

    Ciao
    Cosimo der Wildschweinjaeger

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    1. Gerne - finde ich eine total schöne Idee!!!
      Liebe Grüße
      Sali

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  8. Hallo Sabine,

    endlich finde ich Zeit mich mal wieder zu melden.

    Dies ist ja interessant. Habe seit Deinem Beitrag auf Socke geachtet und sie züngelt m. E. nicht. Socke wird eher albern, wenn sie beschwichtigen will. Sie wirft sich auf den Boden, streckt alle Viere von sich und den Kopf wirft sie nach oben. Ihre Rute wedelt. So zum Beispiel, wenn sie gebürstet wird und keine Lust mehr hat still zu liegen, was ich von ihr erwarte. Gelegentlich gähnt sie auch. Das kennt Ihr doch bestimmt auch, oder?

    Ja, so sind unsere Fellnasen. Schön, dass wir durch solche Beiträge unseren Fellnasen mehr und mehr auf die Schliche kommen, bzw. sie immer besser verstehen.

    Vielen Dank für den tollen Beitrag und ganz liebe Grüße

    Sabine

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    1. Hallo Sabine!
      Kein Züngeln bei Söckchen??? Noch nicht einmal ein klitzekleines Stück Zungenspitze? Das ist ja interessant! Gähnen ist bei Chiru auch sehr beliebt - am liebsten noch mit "Tonunterstützung" und ich muss immer herzlich lachen, was für Stimmchen er dabei macht :-)
      Liebe Grüße
      Sali

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