Der rote Engel [in Erinnerung an Nicky]

Donnerstag, November 29, 2012

Der Tod des eigenen Hundes - ein Thema vor dem ich gerne die Augen verschließe und eine riesige Angst habe. Ich musste diesen  schmerzlichen "Weg"  schon dreimal gehen und  besonders schwer ist es mir bei meinen Nicky gefallen. Er hatte einen enormen Lebenswillen und wollte nicht "loslassen" - aber sein Herz machte nicht mehr mit. Wir kämpften und hatten trotz der schlechten Prognosen noch ein ein paar Monate mehr für uns gewonnen. Es war eine sehr traurige Zeit, weil ich wusste das der Tod schon "vor der Tür steht"  - aber auch eine sehr innige und intensive Zeit, weil man sie bewusst gelebt hatte.


Doch irgendwann verliert man diesen Kampf und Nicky musste ohne mich weitergehen und die Reise zur Regenbogenbrücke antreten. Für mich stand zu diesem Zeitpunkt fest - nie, nie wieder möchte ich diesen Schmerz des Verlustes und die Trauer nach dem Tod erleben - lieber ein Leben ohne Hund, als noch einmal diese schlimme Zeit durchmachen zu müssen.

Diese Geschichte fand ich kurz nach Nickys Tod im Internet und sie hat mich sehr getröstet. Zum Glück gehört zur Trauer auch, dass der Zeitpunkt kommt, an dem man ohne Weinen zu müssen, an die schönen und glücklichen Zeiten zurück denken kann. Und  ein halbes Jahr später war es dann auch soweit, dass Chiru mein Herz eroberte und bei uns einzog. Heute steht für mich fest - so schmerzlich der Verlust auch ist, ein Leben ohne Hund kann ich mir nicht vorstellen und nichts kann man gegen die glücklichen und schönen Momente aufwiegen!

DER ROTE ENGEL

(Autor unbekannt)

Der kleine weiße Hund Nicky blieb plötzlich stehen. Hinter ihm spielten kleine Welpen auf einer bunten Sommerwiese, jagten einander und rauften spielerisch. Es sah so fröhlich aus, aber vor ihm, im klaren ruhigen Wasser des Teiches, sah er seine Mommy. Und sie weinte bitterlich. Er tapste ins Wasser und versuchte, sie zu berühren, und als er das nicht konnte, hüpfte er hinein. Nun war er ganz nass und Mommys Bild tanzte auf den Wellen fort. Mommy! rief er. Ist etwas nicht in Ordnung? Der kleine weiße Hund drehte sich um. Eine Dame stand am Ufer des Teiches, mit traurigen, aber liebevollen Augen. Der kleine weiße Hund Nicky seufzte und kletterte aus dem Wasser. Das muss ein Fehler sein, sagte er. Ich sollte nicht hier sein. Er sah zurück ins Wasser und das Bild seiner Mommy spiegelte sich wieder darin. Ich bin doch noch so jung! Mommy sagt, das muss ein Irrtum sein. Sie sagt, ich darf gar nicht hier sein!

Die freundliche Dame seufzte und setzte sich ins Gras. Der kleine weiße Hund Nicky kletterte in ihren Schoß. Es war nicht Mommys Schoß, aber es war fast genauso gut. Als sie begann, ihn zu streicheln und genau dort unter dem Kinn zu kraulen, wo er es am liebsten mochte, fing er fast gegen seinen Willen an es zu genießen. Ich fürchte, es ist kein Fehler. Es ist dir bestimmt, hier zu sein, und deine Mommy weiß es tief in ihrem Herzen, sagte die Dame. Der kleine weiße Hund seufzte und lehnte seinen Kopf an den Fuß der Dame. Aber sie ist so traurig. Es tut mir so weh, sie so weinen zu hören. Und auch Daddy ist traurig. Aber sie wussten von Anfang an, dass dies geschehen würde. War ich denn krank? Das überraschte den kleinen weißen Hund Nicky. Niemand hatte jemals etwas darüber gesagt und er hatte oft zugehört wenn sie dachten, er schliefe. Sie sprachen stets nur darüber, wie süß er doch war und wie schnell er gewachsen war.



Nein, sie wussten nicht, dass du krank warst, sagte die freundliche Dame. Aber dennoch wussten sie, dass sie die Tränen gewählt hatten. Nein, das taten sie nicht, sagte der kleine weiße Hund. Wer würde schon Tränen wählen? Sanft küsste die Dame sein Köpfchen. Er fühlte sich sicher und warm und geliebt - aber er war noch immer voll Sorge um seine Mommy. Ich will dir eine Geschichte erzählen, sagte die Dame. Der kleine weiße Hund Nicky sah auf und sah die anderen Tiere näher kommen. Hunde - Benji und Rocky, Baby und Belle. Katzen auch - Big Boy und Snowball, sogar eine Schildkröte und eine Eidechse namens Clyde und einige Ratten und ein Hamster. Alle Tiere legten sich erwartungsvoll ins Gras rund um die Dame und sahen wartend zu ihr auf.Sie lächelte und begann:

Vor langer, langer Zeit gingen die kleinen Engel zum Oberengel und baten ihn um Hilfe, weil sie so einsam waren. Der Oberengel brachte sie zu einer großen Mauer mit vielen Fenstern und ließ sie aus dem ersten Fenster auf alle möglichen Dinge schauen - Puppen und Stofftiere und Spielzeugautos und vieles mehr. Hier habt ihr etwas, das ihr lieben könnt, sagte der Engel. Diese Dinge werden eure Einsamkeit vertreiben. Oh, vielen Dank, sagten die kleinen Engel. Das ist gerade, was wir brauchen. Ihr habt das Vergnügen gewählt, erklärte ihnen der Oberengel. 

Aber nach einiger Zeit kamen die kleinen Engel zurück. Dinge kann man schon lieben, meinten sie. Aber sie kümmern sich nicht darum, dass wir sie lieben. Der Oberengel führte sie zum zweiten Fenster. Sie sahen hinaus und sahen alle möglich Arten wilder Tiere. Ihr könnt diese Tiere lieben, sagte er. Sie werden wissen, dass ihr sie liebt. Die kleinen Engel waren begeistert. Sie liefen hinaus zu den Tieren. Einer gründete einen Zoo, ein anderer ein Naturschutzgebiet, einige fütterten die Vögel. Ihr habt die Befriedigung gewählt, sagte der Oberengel. 

Aber nach einiger Zeit kamen die kleinen Engel zurück. Sie wissen, dass wir sie lieben, sagten sie. Aber sie lieben uns nicht wieder. Wir möchten auch geliebt werden! So führte sie der Oberengel zum dritten Fenster und zeigte ihnen die Menschen. Hier sind Menschen zum Lieben, erklärte er ihnen. Die kleinen Engel eilten hinaus zu den Menschen. Ihr habt die Verantwortung gewählt, sagte der Oberengel. 

Aber bald waren sie wieder zurück. Menschen kann man schon lieben, klagten sie aber oft hören sie auf, uns zu lieben und verlassen uns. Sie brechen unsere Herzen. Der große Engel schüttelte den Kopf. Ich kann euch nicht mehr helfen. Ihr müsst mit dem zufrieden sein, was ich euch gegeben habe. 

Da entdeckte einer der kleinen Engel ein weiteres Fenster und sah kleine und große Hunde und Katzen, Eidechsen, Hamster und Frettchen. Die anderen liefen herbei und bestaunten sie. Was ist mit denen? riefen sie. Aber der Oberengel schob sie vom Fenster weg. Das sind Gefühlstrainer, sagte er. Aber wir haben Probleme mit ihrem Operating System. Würden sie wissen, dass wir sie lieben? fragte einer. Ja, erwiderte der Oberengel widerstrebend. Und würden sie uns wiederlieben? fragte ein anderer. Ja, erwiderte der große Engel. Werden sie je aufhören, uns zu lieben? riefen sie. Nein, gestand der große Engel. Sie werden euch für immer lieben. Dann sind sie genau das, was wir uns wünschen, riefen die kleinen Engel. Aber der Oberengel war sehr aufgeregt. Ihr versteht nicht, erklärte er ihnen. Ihr müsst sie füttern. Und ihr müsst ihre Umgebung reinigen und immer für sie sorgen. Das tun wir gerne, riefen die kleinen Engel. Und sie hörten nicht zu. Sie beugten sich nieder und nahmen die zahmen Tiere in die Arme und die Liebe in ihrem Herzen spiegelte sich in den Augen der Tiere. Sie sind nicht gut programmiert rief der Oberengel, es gibt keine Garantie für sie. Wir wissen nicht, wie lange sie halten. Manche hören sehr rasch auf zu funktionieren, und manche halten länger! Aber das kümmerte die kleinen Engel nicht. Sie drückten die warmen weichen Körperchen an sich und ihre Herzen füllten sich mit Liebe, so dass sie fast zersprangen. Wir haben unsere Chance! riefen sie. Ihr versteht nicht, versuchte es der Oberengel zum letzten Mal. Sie sind so gemacht, dass selbst der Haltbarste von ihnen euch nicht überleben wird. Euer Schicksal wird sein, durch ihren Verlust zu leiden! Die kleinen Engel betrachteten die Tiere in ihren Armen und schluckten. Dann sagten sie tapfer: Das macht nichts. Es ist ein fairer Tausch für die Liebe, die sie uns geben. Der Oberengel sah ihnen nach und schüttelte den Kopf.Nun habt ihr die Tränen gewählt, flüsterte er.

Und so ist es auch geblieben, meinte die freundliche Dame. Und jede Mommy und jeder Daddy weiß das. Wenn sie euch in ihr Herz schließen, wissen sie, dass ihr sie eines Tages verlassen werdet und sie weinen müssen. Der kleine weiße Hund Nicky setzte sich auf. Warum nehmen sie uns dann zu sich?, fragte er erstaunt. Weil auch nur eine kurze Zeit eurer Liebe den Kummer wert ist. Oh, sagte der kleine Hund und starrte wieder in den Teich. Da war noch immer das Bild seiner Mommy, weinend. Wird sie jemals aufhören zu weinen? Sie nickte. Sieh, der Oberengel bedauerte die kleinen Engel. Er konnte die Tränen nicht wegzaubern, aber er mochte sie besonders. Sie tauchte die Hand in den Teich und ließ das Wasser von ihren Fingern tropfen. Er machte heilende Tränen aus diesem Wasser. Jede Träne enthält ein bisschen von derglücklichen Zeit der Freude an dir. Wenn Deine Mommy weint, heilt ihr Herz.Es mag seine Zeit dauern, aber durch ihre Tränen fühlt sie sich besser. Nach einiger Zeit wird sie nicht mehr so traurig sein, wenn sie an Dich denkt, und sich nur der schönen Zeit erinnern. Und sie wird ihr Herz wieder für einen neuen kleinen Hund öffnen. Aber dann wird sie eines Tages wieder weinen! Die Dame lächelte ihn an und stand auf. Aber sie wird auch wieder jemanden lieb haben. Daran wird sie denken.




(Aus dem Internet, Autor mir nicht bekannt)

Liebe Grüße
eure



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13 Kommentare

  1. Jetzt hab ich auch Tränen in den Augen... So schön geschrieben und so wahr!

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    1. Obwohl ich die Geschichte jetzt schon viele Jahre kenne - geht es mir auch immer wieder so, dass bei mir sofort die Tränen kullern. Aber es hat für mich auch etwas sehr tröstliches. Zum Glück leben unsere Tiere in unseren Herzen weiter.
      Liebe Grüße
      Sali

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  2. Hallo Sali, auch ich denke oft an die schöne Zeit mit Nicky zurück. Auch Rocky, der kleine Kämpfer und Benji werden immer einen Platz in meinem Herzen haben. Nur wer Tiere liebt, kann diesen Schmerz verstehen.
    Viele Grüße
    Micky

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    1. Schön dass es Träume gibt - ich träume noch oft von den dreien und es ist immer ein wunderschönes Gefühl beim Aufwachen!
      Bussi,deine
      Sali

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  3. Wenn man um jemanden weint, egal, ob Tier oder Mensch, dann weiß man, dass man geliebt hat und was gibt es Schöneres im Leben als zu lieben.

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  4. ♥ ...mir stehen gerade nur noch die Tränen in den Augen...
    ...da öffnen sich die Wunden... gerade wieder...

    liebe Grüsse Nathalie

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    1. Ohje, Nathalie das wollte ich nicht auslösen - dicken Bussi!
      Liebe Grüße
      Sali

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  5. Alles was wir lieben, ist unersetzlich. Alles was wir ersetzen können haben wir nie geliebt. (Franz Predan)

    *schnief* so schön und berührend ist Deine Geschichte von Nicky, mir geht es da wie Dir auch ich kann mir ein Leben ohne Vierbeiner nicht mehr vorstellen und ich war froh darüber als unser Oldie mit 16,5 Jahren über die Regenbogenbrücke gehen mußte, dass es hier noch einen 3 1/2jährigen Wirbelwind gab der uns ein bisschen Ablenkung verschafft hat aber nie Ersatz für Evy sein kann, sie hat einen besonderen Platz in meinem Herzen genauso wie Raja, die aber eine ganz andere Hundepersönlichkeit ist.


    LG
    Claudia mit Tibi Brownie Raja

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  6. Hallo Claudia, ein wunderschönes Zitat - danke!
    Wir hatten vor Chiru immer zwei Hunde und mir ging es genauso, dass der zweite Hund einen wahnsinig viel Trost spendete,wenn einer gehen musste.
    Liebe Grüße
    Sali

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  7. Eine wirklich rührende Geschichte, mir sind dabei die Tränen gekommen.

    Wie Du, versuche ich die Gedanken an den Tag X zu verdrängen, der realistisch
    gesehen nicht mehr allzu fern ist bei Shaggy und durch die Geschichte
    wird mir wieder
    bewusst wie alt und krank Shaggy ist und er nicht ewig leben wird und ich mir
    ein Leben ohne ihn nur schwer vorstellen kann...

    Die Liebe (kann ein Hund wirklich lieben????) eines Hundes ist etwas worüber
    ich dankbar bin diese zu erleben, auch wenn einige das nicht verstehen können
    das wir in den letzten 3 Jahren sehr hohe Kosten hatten und das für ein
    "Tier" ausgeben und dafür auf sovieles verzichten müssen, warum wir ihn nicht
    einschläfern lassen. Hallloohooo!!!

    Was für ein Verzicht????? Es ist eine Selbstverständlichkeit!!!

    Schade das diese Menschen das nicht verstehen
    und nicht wissen wie schön es ist mit einem Hund zu leben...

    Einen wunderschönen 1. Advent für Euch :-)

    Liebe Grüsse
    Fraule Astrid und Shaggy

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  8. Hallo Astrid,
    in jeder Zeilen die ich hier in den Kommentaren oder auf euren Blogg von dir lese, spricht die innige Liebe zu Shaggy und ich bin mir sicher, dass er dich genauso liebt. Deine Worte über das Leben und die Angst mit einem alten Hund berühren mich immer sehr. Das Hunde lieben können und Gefühle haben - davon bin ich fest überzeugt. Dieses Unverständnis von Leuten die keinen Hund haben, kenne ich auch nur zu gut und ich musste echt lernen damit umzugehen.

    Liebe Grüße und einen dicken Schmatzer an Shaggy
    Sali

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  9. Das Hunde Gefühle haben, davon bin ich auch fest überzeugt, keine Frage!

    Aber Liebe? Obwohl wenn ich drüber nachdenke, was ist Liebe?

    Shaggy hat Vertrauen, orientiert sich an uns, sucht Körperkontakt/Wärme,
    kommuniziert mit uns und es ist über die Jahre eine
    faszinierende Verbundenheit entstanden...

    Ich werde nochmal drüber nachdenken...

    Liebe Grüsse
    Astrid


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