Die Treue deines Hundes: ein faires Geschäft?!

Samstag, März 14, 2015

Viele von euch waren wie ich, gerührt von der Geschichte der kleinen Mischlingshündin in Tel Aviv, die ihrem kranken Herrchen nicht von der Seite wich.  Gerade diese Treue ist eine der Eigenschaften, die wir an unseren Hunden so lieben. Aber ist es für den Hund ein "faires Geschäft"?  Viele Rassen ist das "will to please" - der Wunsch seinem Menschen zu gefallen, angeboren. Eine Eigenschaft die man gezielt weiter züchten sollte oder müsste man unseren Vierbeinern nicht viel lieber wünschen, dass sie in ihrem Wesen von uns unabhängiger wären und wir uns ihre Liebe mehr verdienen müssten?



Der Hund ist das einzige Wesen auf Erden,
das dich mehr liebt als sich selbst.
(Josh Billings)


Diese Gedanken kamen mir heute auf meiner Gassirunde mit Chiru als uns Rex*, ein Jagdhund, mit seinem Herrchen begegnete. Wie immer hatte Rex Herrchen, Herr Meier*, sein Smartphone in der Hand und war vollkommen in seiner virtuellen Welt eingetaucht.  Zwischendurch ein kurzer Blick zu Rex  mit einem barschen "beeil dich!" und nach wenigen Minuten war der Spaziergang beendet. Rex warf seinem Herrchen einen traurigen Blick zu. Er wäre gerne noch eine schnelle Runde über den Acker gerannt, aber er wusste auch die Familie wartete auf sein Herrchen mit dem Frühstück...

JAGDHUND REX UND SEINE FAMILIE

Die Familie Meier* wohnt schon seit sieben Jahren bei uns in der Straße. Rex* war ein "Wunschhund". Die Meiers hatten ihn sich kurz nach ihrer Hochzeit angeschafft, als sie in ihr schickes Häuschen zogen. Gehört doch einfach dazu: ein schönes Haus im Grünen und zur Krönung, weil noch keine Zeit für Kinder war ein Hund, fanden beide. Ein Jagdhund sollte es auf jeden Fall sein, weil Frau Meier mit diesen Rassen groß geworden ist. Dass beide Berufstätig sind störte sie nicht, weil Hunde schlafen ja auch viel... Der Garten wurde von einem Landschaftsplaner passend zu dem modernen Design des Hauses angelegt. Verständlich, dass dort kein Platz für Hundespielzeug, ein Planschbecken im Sommer für Rex oder ähnliche Dinge war, oder? Direkt am Grundstück der Familie grenzt ein kleines Feldstück, das von uns Hundebesitzern oft zum Spielen mit unseren Vierbeinern genutzt wird. Mit traurigen Blick verfolgte Rex oft das muntere Treiben von seinem Platz vor dem Wohnzimmerfenster aus und wartete sehnsüchtig, dass seine Menschen endlich von der Arbeit kamen. Noch im Business Anzug ging es dann auch abends sofort mit Rex vor die Tür. Rex war die riesige Freude in seinem Hundegesicht abzulesen. Endlich waren seine Menschen wieder da und er hüpfte aufgeregt neben Herrn Meier her und suchte seinen Blickkontakt. Leider unbemerkt von Herrn Meier, der noch seine letzten Mails auf den Handy checkte... 

Heute ist der gestylte Garten kaum wieder zu erkennen. Eine große bunte Schaukel und ein blauer Sandkasten ergänzen den Asien-Style. Auch Herrn Meier sehe ich heute öfters auf dem angrenzenden Feld Ball spielen: mit seinen beiden Jungen.  Im ersten Moment hatte ich das Gesicht ohne Handy davor, überhaupt nicht wiedererkannt. Und Rex?  Vom Garten aus beobachtet er die Ballspiele und versucht mit einem leisen Wuff auf sich aufmerksam zu machen. Anfangs als die Kinder auf die Welt kamen, veränderte sich für Rex vieles zum Positiven. Frau Meier war jetzt den ganzen Tag Zuhause und endlich gab es auch für ihn größere Spazierrunden am Kinderwagen des ersten Kindes. Doch nach der Geburt des zweiten Jungen, war es zu stressig mit allen dreien Spazieren zu gehen. Auch auf dem Kinderspielplatz konnte man Rex nicht gut mitnehmen. Rex hatte Angst vor dem Kreischen der spielenden Kinder und bellte häufig. Also übernahm Herr Meier wieder die Gassirunden vor und nach der Arbeit: mit dem Handy am Ohr.

Rex liebt seine Familie sehr, dass sieht man an vielen kleinen Kleinigkeiten: er sucht häufig den Blickkontakt und Körpernähe seiner Menschen. Stolz versucht seinem Herrchen einen besonders großen und schweren Stock zu präsentieren, den er gefunden hat und versucht zaghaft ihn zum Spielen zu animieren. Leider unbemerkt von seinen Menschen... Das macht ihn zu einem sehr traurigen Hund, weil sehr, sehr gerne wäre er ein Teil dieser Familie. 



Die Treue eines Hundes ist ein kostbares Geschenk, 
das nicht minder bindende moralische Verpflichtungen auferlegt 
als die Freundschaft zu einem Menschen.
(Konrad Lorenz) 

Würde jeder Mensch die Verantwortung für seinen Hund ernst nehmen und das Zitat von Konrad Lorenz befolgen, wäre die Treue eines Hundes eine wunderbare Eigenschaft. Solange aber immer noch viele diese Verpflichtung einfach ignorieren, bleibt es ein sehr einseitiges und unfaires Tauschgeschäft an den schon einige Hundeseelen zerbrochen sind...



Anmerkung *:
Name der Familie und des Hundes sind geändert.

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15 Kommentare

  1. Liebe Sali,

    das ist eine soooo traurige, aber wahre Geschichte. Dem Frauchen treibt es da schon wieder die Tränen in die Augen, typisch Mädchen halt. Leider kenne ich auch viele dieser "Rexes". Einen kleinen Hund habe ich mit seinem Herrchen noch nie gesehen, ohne dass Herrchen am Telefonieren war. Andere kleine Welpen kommen immer im Winter heraus, ab dem Frühjahr sind sie wieder verschwunden, wahrscheinlich Weihnachtsgeschenke, die lästig wurden. Oft prahlen die Menschen sogar damit, dass sie den Hund für 50 Euro irgendwo in Polen gekauft haben. Ich finde das immer traurig und weiß dann umso mehr mein Glück zu schätzen.

    Wuff-Wuff dein trauriger Chris

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    1. Danke für deine liebe Antwort Chris! Dein letzter Satz hat mich wieder daran erinnert, wieviele Hunde hier in der Umgebung von einem Hundehändler kommen, weil man dort ein paar Hundert Euro sparen wollte... Die Betonung liegt auf "wollte" - für die Tierarztkosten hätte man drei Welpen vom Züchter kaufen können...
      Liebe Grüße
      Sali

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  2. Oh nein, da muss Frau Zweibein aber einen ganz dicken Kloß im Hals wegräuspern und schnell die Tränen fortblinzeln. Es gibt bestimmt Hunde, denen es noch schlechter geht als Rex, aber diese Geschichte ist sooo traurig und ja leider nicht mal so besonders selten, sondern recht oft zu beobachten...
    Ziemlich schwermütige Grüße
    Lotta mit Anhang

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    1. Liebe Lotta, natürlich geht es Hunden schlechter- haben keinen gefüllten Napf und ein warmes Körbchen. Trotzdem - wie du auch schon schreibst, ist die die seelische Grausamkeit genauso schlimm und nicht selten.
      Liebe Grüße
      Sali

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  3. Ja so ist unsere Gesellschaft: Prestige zählt. Mein Haus, mein Auto... Dann ein toller Job. Natürlich gehört dann zumschicken Haus ein toller Garten. Und da passt doch wunderbar ein schöner Hund. Natürlich darf man dies nicht verallgemeinern, aber leider ist es oft so wie bei Familie Meier. Viele "Meier" wohnen auch in meiner Nachbarschaft. Smartphon am Ohr, hektische Gezerre mit der Leine, wenn der Vierbeiner schnuppern möchte. Traurig..,Ich finde Hunde sind Freunde fürs Leben und jede Freundschaft muss man hegen und pflegen. Dies ist nur meine Meinung und wie gesagt man darf es nie verallgemeinern.
    Liebe Grüße
    Micky

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    1. Deinen Worten schließe ich mich gerne an Micky! Leider gibt es viele zu viele "Meiers", die ihr Verhalten vollkommen in Ordnung finden: es ist ja nur ein Hund und kein Kind..."
      Bei deinem nächsten Besuch zeige ich dir Familie Meier ;-)
      Bussi
      Sali

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  4. Das ist wirklich eine sehr traurige Geschichte, aber leider bei so vielen der Alltag. Ich finde, auch wenn sie auf den ersten Blick ein schönes und gutes Leben haben, ist es doch auch eine Art von Tierquälerei. Klingt jetzt vieleicht ziemlich hart, aber ich finde es stimmt. Denn auch wenn auf den ersten Blick alles perfekt erscheint, sind diese Hunde doch alles andere als glücklich...
    Nachdenkliche Grüße
    Jasmin mit Nora, Rico und Sam

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    1. Liebe Jasmin - ich empfinde es genauso wie du - für mich ist es auch schon eine Form von Tierquälerei, bzw. eine Form von "seelische Grausamkeit".
      Danke für deine Meinung und liebe Grüße
      Sali

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  5. Solche "Geschichten" treffen wir leider jeden Tag. Hund wird degradiert zum Statussymbol und muss sich anpassen, einfügen: der perfekte gestylte Hund in der perfekt gestylten Wohnung und im perfekt gestylten Garten.

    GsD geht es auch anders und hier bei uns dürfen Hunde noch Hunde sein und was ganz wichtig ist: Familienmitglieder. Fazit: hier sind die Hunde glücklich, auch wenn (oder gerade dadurch) nichts perfekt gestylt ist.

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    1. Danke für deinen Kommentar! Ja zum Glück geht es auch anderes - und auch ich erlebe hier bei uns in der Nachbarschaft viele Beispiele wie schön ein Zusammenleben mit der Familie für einen Hund sein können. Trotzdem versetzt mir Herr Meier jeden Morgen einen Stich ins Herz, wenn er mir auf unserer Runde begegnet.
      Liebe Grüße
      Sali

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  6. Ja, in so einem Fall ist das Tauschgeschäft wirklich unfair...zumal wie sagte noch ein schlauer 2-Beiner: "Der Mensch gibt ur einen Teil seiner Lebenszeit mit dem Hund, doch für den Hund ist es sein ganzes Leben..."

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    1. Hall Maximilian. das Zitat kannte ich noch gar nicht - es bringt die Sache aber perfekt auf den Punkt!
      Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße
      Sali

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  7. Liebe Sali,

    manchmal bin ich mir sicher, dass dieses Tauschgeschäft nur für uns Menschen gut ist. Besonders in den letzten Jahren ist mir das oft aufgefallen, denn es ist ein echter Trend geworden, sich einen Hund anzuschaffen ohne sich vorher echt Gedanken darüber zu machen.
    Leider auch bei uns im Bekanntenkreis - da gibt es manche Hunde, denen ich ein anderes Leben wünschen würde. Wobei ihre Grundbedürfnisse natürlich gestillt werden - aber ein erfülltes Hundeleben sieht für mich eben anders aus. Was nutzt es dem Hund, wenn er 27 verschiedene Leinen und Halsbänder hat, die immer zu Frauchens Garderobe passen, wenn er noch nie sein Loch in ein Mausloch stecken durfte, weil er dann dreckig wird. Spaziergänge bei Regen dauern meistens keine 10 Minuten und der Hund muss danach 3 Stunden in der Garage warten, bis er wieder trocken ist. Im Urlaub kommt der Sohn zweimal am Tag und schaut nach dem Haus und dem Hund - da könnte ich mich aufregen!
    Es gibt so ein schönes Zitat: "Der Hund braucht sein Hundeleben. Er will zwar keine Flöhe haben, aber die Möglichkeit sie zu bekommen." (Robert Lembke) ... und ich finde es schade, dass diese Möglichkeiten so vielen Hunden vorenthalten werden.

    Bei uns leben die Hunde mit uns: sie fahren mit uns in Urlaub, begleiten uns bei fast allen Dingen und werden auch bei unseren Entscheidungen berücksichtigt - aber auch wir müssen natürlich unsere Hunde einschränken und ihnen Grenzen setzen. Aber wir versuchen dabei trotzdem ihre Bedürfnisse ebenso zu respektieren wie unsere.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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    1. Hallo Isabella, ich kann mich deinem Kommentar nur anschließen! Es sind nicht nur immer die Tierheimhunde denen es schlecht geht. Natürlich kann man Spaß haben an x-schönen bunten Leinen, die zum Outfit passen - aber die Bedürfnisse des Hundes müssen hierbei immer an erster Stelle stehen, wie du schon schreibst. EInen Hund während eines Urlaubes einfach alleine zu lassen mit zweimal Gassi am Tag finde ich unverantwortlich!
      Liebe Grüße
      Sali

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  8. Liebe Sali,
    ein sehr nachdenkenswerter Text! Habe ihn unseren Kindern (12/14) vorgelesen - sie waren ziemlich berührt und sprachen mich noch Stunden später darauf an. Lupino-Buni bekam gleich eine zusätzliche Knuddeleinheit ;-)
    Die Entscheidung für einen Hund sollte wirklich wohl überlegt sein, auch und gerade in Bezug auf seinen Stellenwert in unserem Leben. Liebe Grüße, Sylke & Buni

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