Warum eigentlich keine Beerdigung für einen Hund?!

Donnerstag, April 14, 2016

Tinchen ist tot…Ich war sehr traurig, als ich hörte, dass der Hund meiner Arbeitskollegin Birgit am Freitagabend eingeschläfert werden musste. Noch vor kurzem erzählte mir Birgit wie toll es Tinchen ging, seit sie vor drei Monaten operiert wurde. Sie hatte Krebstumore an der Gebärmutter und trotz ihrer 13 Jahre beschloss die Tierärztin diese noch zu entfernen. Jetzt hat sie bestimmt noch ein oder zwei schöne Jahre freute sich meine Kollegin. Der Krebs war aber dann doch schneller… wieso oft.


Tinchen wurde im Vorgarten von Birgit beerdigt. Ich war im ersten Moment verwundert – warum nicht hinten bei euch in dem großen Garten, fragte ich sie. „Weil Tinchen immer vorne lag und das Geschehen an der Straße beobachtete. Sie war nur selten hinten im Garten“, erzählte mir Brigit. „Sie liebte es, wenn die Kinder aus der Straße mit ihr spielten und nur selten ging ein Nachbar an ihr vorbei, ohne sie zu begrüßen und sie kurz zu streicheln. Tinchen war nicht nur unser Hund – irgendwie gehörte sie ein kleines bisschen auch allen Nachbarn".

Birgit hat einen schon fast erwachsenen Sohn, der mit Tinchen groß geworden ist. Aber nicht nur für ihn war Tinchen eine tolle Spielkameradin. Auch seine Freunde, die ihn oft besuchten, mochten die kinderliebe Hündin sehr. Sogar die kleineren Kinder der Nachbarn kamen oft zu Birgit und fragten, ob sie mit Tinchen in ihrem Garten spielen dürften. Gerührt erzählte mir meine Kollegin, dass plötzlich viele der Nachbarn am Samstagmorgen bei ihnen im Vorgarten standen, als ihr Mann anfangen wollte, das Grab vorzubereiten. Die traurige Nachricht hatte sich schnell im Viertel herum gesprochen. Auch die Freunde von ihrem Sohn waren gekommen, um sich von Tinchen zu verabschieden. Gemeinsam wurde eine Grube ausgehoben. Einige Mädchen hatten Gänseblümchen in einem Körbchen gesammelt und eine Nachbarin band kleine Buchsbaumzweige für die Kinder, die sie gemeinsam feierlich in das Grab warfen.

Abends, als es dunkel wurde zündeten Birgit und ihre Familie eine Kerze auf Tinchens Grab an. Vor dem Schlafen geht, schaute sie noch einmal aus dem Küchenfenster, das zur Vorderseite des Hauses liegt. Gerührt sah sie, dass dort nicht nur ihre Kerze brannte, sondern Nachbarn noch weitere Lichter aufgestellt hatten, um Abschied von Tinchen zu nehmen…

Mich hat es sehr berührt als mir Birgit von Tinchens „Beerdigung“ erzählte. Ich stelle es mir sehr schön vor in so einem traurigen Moment mit dem Kummer nicht alleine zu sein, sondern seinen Schmerz mit anderen teilen zu können. Tinchen war nicht nur ein Familienmitglied, sondern ein fester Teil der Gemeinschaft unter den Nachbarn und fehlt jetzt ganz vielen Menschen. Das ist sehr traurig, aber auch sehr schön zugleich. Oft sieht die Realität leider auch anders aus. Viele Menschen sind in diesem traurigen Augenblick alleine. Aus Angst Ärger mit den Nachbarn zu bekommen, wird der Hund diskret im Garten beerdigt*. Oder häufig trauen Nachbarn sich auch nicht einen Hundebesitzer nach dem Tod seines Tieres nicht anzusprechen, weil sie Angst haben, er könnte anfangen zu weinen…

Ich wünsche mir, dass es viel mehr solcher Beerdigungen für Hunde gibt und sie gemeinsam verabschiedet werden…

*Die Angst einiger Hundebesitzer, dass es verboten ist, seinen Hund im eigenen Garten zu begraben ist unbegründet. In den meisten Bundesländern ist dies erlaubt, wenn der Hund keine meldepflichtige Krankheit oder Tollwut hatte.
Eine Anmerkung auch noch in eigener Sache. Die Namen meiner Kollegin und von Tinchen habe ich zum Schutz persönlicher Rechte geändert. Auf dem Foto mit dem Zitat ist auch nicht "Tinchen" zu sehen, sondern es stammt aus meiner Fotoserie "Strandläufer".
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19 Kommentare

  1. Was für eine schöne Geschichte. Ich freu mich, dass Tinchen an ihrem Lieblingsplatz beerdigt wurden konnte und so viele Nachbarn gezeigt haben, wie viel sie ihnen bedeutete. Allerdings geht das wohl auch eher in der Reihenhaussiedlung oder in kleinen Dörfern.

    Wuff-Wuff dein Chris, der irgendwann eine Urne bekommt, wie alle anderen vor ihm auch, weil das Frauchen keinen Garten hat

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    1. Da hast du natürlich recht mit dem ländlichen wohnen Chris und nicht jeder hat die Möglichkeit seinen Hund im Garten zu beerdigen. Es mag auch nicht jeder - das muss man auch dazu sagen. Was für den einen ein tröstender Gedanken ist, findet der andere vielleicht für sich und seinen Hund schrecklich. Aber egal wie das geliebte Tier seinen letzten Weg antritt - ich fände es schön, wenn niemand mit der Trauer für sich alleine sein muss - wenn er es nicht möchte. Auch da ist ja wieder jeder anders und ich neige zum Beispiel manchmal zum Typ Schneckenhaus.

      Liebe Grüße
      Sali

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  2. Ein Thema,das mich sehr berührt.Mittlerweile gibt es Hindebestatter,die einen würdigen und schönen Abschied vom geliebten Vierbeiner ermöglichen.Leider hat ja nicht jeder die Möglichkeit Abschied zu nehmen wie bei Tinchen.Und das finde ich gut.Man kennt ja zu genüge die dummen Sprüche "Es war doch nur ein Tier",aber hier bei Tinchen war es sicher für die Familie schön zu spüren,dass Tinchen so gemocht wurde und dazu gehörte

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    1. Das stimmt Tami, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, seinen Hund im Garten zu beerdigen. Den Spruch "es ist doch nur ein Hund..." musste ich mir in dem letzten halben Jahr ja sehr oft anhören und es hat mich sehr verletzt. Von daher hat es mich sehr berührt bei Tinchen, dass doch noch viele Menschen anders denken.
      Dicken Bussi
      Sali

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  3. Einfach fein wie du das beschrieben hast - wir sind ganz gerührt/berührt - Danke
    Ayka und Erika

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    1. Danke für deine lieben Worte Erika!
      Liebe Grüße
      Sali

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  4. Mir stehen die Tränen in den Augen. Dieser Abschied ist wunderschön und spiegelt das Leben dieses tollen Hundes wieder...

    LG Andrea mit Linda

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    1. So habe ich es auch empfunden Andrea. Tinchen hatte wirklich ein sehr schönes Leben bei meiner Kollegin und die liebe Anteilnahme war ein großer Trost für die ganze Familie.
      Liebe Grüße
      Sali

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  5. Ein wunderschöner Abschied. So stelle ich es mir auch einmal für Charly vor. Ich finde es schön, dass die Nachbarn so rege anteil genommen haben.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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    1. Du sprichst mir aus die Seele Sonja!
      Liebe Grüße
      Sali

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  6. Für Tinchen war es sicher der passende Abschied und auch für ihre Familie ein Trost, dass so viele Menschen an deren Leben Tinchen Anteil hatte auch ihren Tod begleitet haben.
    Für uns waren es bisher eher stille Momente die wir hatten und auch brauchten - aber auch unsere Hunde waren eher still. Die Auseinandersetzung mit dem Tod gehört ja zum Leben dazu und jeder von uns wird irgendwann die Entscheidung fällen müssen, was mit seinem Hund nach dessen Tod geschehen wird - und nur für sich kann man eine Entscheidung treffen.
    Ich bin froh, dass wir unsere Hunde nicht beerdigt haben - das Haus in dem wir lange mit Dingo und auch Lady lebten und das lange unser Eigentum war haben wir vor zwei Jahren verkauft - und es ist gut zu wissen, dass meine Lieben dort nicht beerdigt sind.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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    1. Genau so habe ich es auch empfunden Isabella. Zu Tinchen und ihre Familie passte es einfach so. Ich bin auch oft der Mensch, der sich bei Kummer eher zurückzieht - trotzdem fand ich den Gedanken einfach wunderschön den Kummer zu teilen. Man bekommt in traurigen Zeiten so oft den Spruch zu hören "es ist doch nur ein Hund" oder wird für die Dinge belächelt die man für sein Haustier macht. Von daher hat es mich sehr berührt das es auch anders geht. Aber gerade Trauer ist etwas ganz persönliches und jeder hat seine eigene Art damit umzugehen.
      LIebe Grüße
      Sali

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  7. Das nenne ich in Würde verabschieden und wenn das "Tinchen" so viele Freunde in der Nachbarschaft hatte, finde ich es wunderschön, dass sie bei der letzten Verabschiedung mit dabei sein konnten !
    R.I.P. "Tinchen"

    Liebe Grüße
    Claudia

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    1. Hi Claudi, wir hatten ja heute nachmittag auch schon lange darüber gesprochen und es stimmt - es passte einfach und war für meine Kollegin sehr schön und tröstend!
      Liebe Grüße
      Sali

      PS: Es war wieder klasse mit dir!

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    2. Oh ja,
      schön war es mit dir, wie immer^^

      Bis bald
      Claudi

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  8. Liebe Sali,
    das ist jetzt mein zweiter Anlauf dir zu schreiben. Als ich das zum ersten Mal gelesen habe, konnte ich vor Tränen die Tastatur nicht mehr erkennen. So gerührt bin ich von deinem Artikel. Es ist so schön das Tinchen so viele Freunde in der Nachbarschaft hatte und sie alle Abschied genommen haben.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  9. Liebes Emma Frauchen, mit deinem Kommentar hast du mir eine große Freude gemacht! Es hat mich riesig gefreut, dass ich es geschafft habe, meine Gefühle auch in Worten rüber zu bringen. Mich hat die Geschichte mit Tinchen sehr beschäftigt und ich musste einfach davon hier auf dem Blog schreiben.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Sali mit Chiru

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  10. Abschied nehme ist schwer, tut so weh...
    Ich finde es tröstend, wenn der Abschied so herzlich ist, wie bei deiner Arbeitskollegin.
    Zeigt es doch, wie geliebt der vierbeinige Freund ist.
    Mitfühlende Grüße von Sylvia

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  11. Liebe Sylvia, ja das stimmt! Genauso habe ich es auch empfunden!
    Liebe Grüße
    Sali

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